Immer wieder wird die Wichtigkeit der Ingenieurausbildung im Saarland seitens Politik und Industrie betont. Dabei geht es in der Regel um quantitative UND qualitative Steigerung. Die Hochschulen sind daher stets gefragt, die Ausbildung noch interessanter zu gestalten, noch besser zu begeistern und noch näher am Zahn der Zeit zu bleiben. Den größten Teil der „Ingenieure made in Saarland“ generiert dabei die htw saar. Die Herausforderungen, die die Zukunftsstrategie Industrie 4.0 aktuell an die klassische Ingenieurausbildung stellt, sind Interdisziplinarität und das Schritthalten mit den neuesten Entwicklungen. Während die vergangenen Jahrzehnte von einer immer weitergreifenden Spezialisierung geprägt waren, ist nun vielmehr ein „Ingenieur-Allrounder“ gefragt. Es werden Menschen gebraucht, die die hochkomplexen Systeme intelligenter Produktion verstehen. An Themenschwerpunkten stehen dabei die Digitalisierung, Produktionssysteme, Produktionstechnologien und Informations- und Kommunikationstechnologien im Mittelpunkt.

Hier setzt das Projekt „Testfeld Digitalisierung in der Produktion“ an. Mit dem Testfeld soll die Ingenieuraus- und Weiterbildung gestärkt werden. Es wird ein Experimentierumfeld geschaffen, das zu Lehr- und Forschungszwecken zur Verfügung steht. Das Ziel des Testfelds ist, den abstrakten Begriff „Industrie 4.0“ (kurz „I4.0“) herunter zu brechen und greifbar zu machen, indem sich im Besonderen der Digitalisierung in der Produktion gewidmet wird. In der geplanten Infrastruktur interagieren Mensch und Maschine, autonome Roboter und Transporteinheiten, Bearbeitungsmaschinen und Handhabungsautomaten miteinander in überschaubarem Rahmen. Der flexible Aufbau lässt breite Nutzungsmöglichkeiten zu und bleibt dabei stets aus- und umbaufähig. Die Möglichkeiten, die das Testfeld bietet, lassen es zu einem potentiellen Motor für die regionale Wirtschaft werden. Durch die geplante Integration des Testfelds in die Lehre gewinnt die htw saar an Attraktivität für Studienanfänger. Außerdem wird hierdurch sichergestellt, dass die Absolventen für den Einsatz in einem innovativen Produktionsumfeld gewappnet sind. Auch Weiterbildungsmodule für Mitarbeiter in regionalen KMU stellen eine reelle Nutzungsmöglichkeit der geplanten Infrastruktur dar. Dadurch werden Personal-Defizite als potentielle Wachstumsbremse verringert. Eine weitere Schlüsselfunktion, die das Testfeld selbstverständlich übernimmt, liegt im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation. Mit den erarbeiteten Ergebnissen soll nicht zuletzt durch Technologietransfer ein Mehrwert für die saarländische Industrie geschaffen werden.

Ermöglicht werden diese Aktivitäten durch die vernetzte selbstorganisierende Plattform, die verschiedene Facetten aus dem Umfeld der Digitalisierung in der Produktion abbildet. In der Kommunikation zwischen Maschinen und Produkten spielen beispielsweise innovative drahtlose Funktechnologien sowie allg. Informations- und Kommunikationstechnologien eine große Rolle. Auch werden in diesem Kontext interaktive Elemente wie Assistenzsysteme und Augmented-Reality-Komponenten zur Anleitung und Bedienfreundlichkeit der Produktionsumgebung mit dem Ziel eines „intelligenten Arbeitsplatzes“ realisiert und beleuchtet . Im Warenfluss durch die Produktionsanlage sollen innovative Transportsysteme wie selbstnavigierende Roboter oder intelligente Rollentransportsysteme kombiniert eingesetzt werden. Die Flexibilität der Anlage soll durch ein dynamisches Produktionsumfeld gewährleistet werden und implementiert den sog. „Plug&Produce“-Gedanken. Ein weiteres großes Thema innerhalb der Plattform wird die Erarbeitung von Migrations- und Erweiterungskonzepten bestehender Produktionssysteme. All diese Schwerpunkte bieten Anknüpfungspunkte zur Zusammenarbeit mit Unternehmen. Dabei ist die Anlage keineswegs als abgeschlossenes System zu verstehen. Vielmehr ist sie dazu konzipiert, sich je nach Bedarf mitzuentwickeln, um so auf Dauer ihre Aktualität zu bewahren.